Das Gebäude:
St. Agatha in Büdlich war im Mittelalter eine Filiale von Detzem an der Mosel; erst Ende des 16. Jahrhunderts erhielt Büdlich seine Selbstständigkeit als Pfarrei. Die heutige Pfarrkirche St. Agatha erhielt ihre imposante Form erst am Ende des 19. Jahrhunderts: An den gotischen Chor der Vorgängergebäude baute man in den Jahren 1894/95 eine deutlich höhere neugotische Hallenkirche an. Sie wurde ergänzt durch einen großzügigen Eingangsbereich mit dem charakteristischen Turm aus Schieferbruchsteinen. Der Eingangsbereich wird noch hervorgehoben durch ein Mosaik der Kirchenpatronin, das um 1960 angebracht wurde.
Bis auf die drei Chorfenster gibt es nur schlichte Ornamentfenster in Kathedralglas mit floralen Schmuckelementen im oberen Fensterabschluss. Die Chorfenster stammen aus dem Jahr 1898 (Signatur: Gebr. Fries 1898) und zeigen von links den Hl. Antonius von Padua mit Maria und dem Kind, eine Herz-Jesu-Darstellung mit der Hl. Maria Alacoque sowie die Stigmatisation des Hl. Franz von Assisi. Der gekreuzigte Christus erscheint dabei dem Heiligen in einer „Mandorla“.
Die große Agatha-Glocke wurde 1958 von der Firma Mabilon in Saarburg gegossen. Neben der Kirchenpatronin St. Agatha werden die frühen Trierer Bischöfe Maximinus, Agritius und Nicetius auf der Glocke genannt – wohl als Hinweis auf die frühere Zugehörigkeit zur Abtei und zum kurfürstlichen Amt Maximin. Die kleine Marienglocke und die Herz-Jesu-Glocke stammen aus den Jahren 1958 bzw. 1952 und wurden ebenfalls von der Saarburger Firma gegossen.
Das Kircheninnere:
Jeweils drei Rundsäulen prägen das Innere dieser hohen Halle und lenken zunächst den Blick auf einen Chorbogen, dessen Wandmalerei zwei Engel mit Weihrauchfass und Palmzweig zeigt. Sie umrahmen das Gotteslamm, das nach Offb 5-6 auf dem Buch mit den sieben Siegeln liegt. Vor dem neugotischen Hochaltar befindet sich heute ein modern-schlichter Zelebrationsaltar aus Stein. Der alte Hauptaltar zeichnet sich durch eine ebenso schlichte wie klare Gliederung aus. Die unterste Stufe ist die sog. „Predella“ (Altarsockel) mit dem Tabernakel als liturgischem Zentrum, zu dessen Seiten sich schlichte gotische Säulen und Bögen als Holzrelief befinden. Darüber erhebt sich der Flügelaltar mit dem großen Altarkreuz in der Mitte. Dieses steht vor einem kleinen
„Klappaltar“, dessen Außenseite die Inschrift „Ecce Panis Angelorum“ (Sehet das Brot der Engel) ziert. Die aufgeklappte Innenseite zeigt zwei Engel – vermutlich die Vorlage für die beiden Wandbilder des Chorbogens. Die inneren Altarbilder dieses Flügelaltars illustrieren links die in Mt 16,19 erzählte Übergabe der Schlüsselgewalt an Petrus durch Jesus. Dabei steht ein Kirchengebäude mit auffälliger Kuppel im Hintergrund – wohl ein Hinweis auf das Petrusamt und seine römischen Nachfolger. Das rechte Altarrelief zeigt den auferstandenen Christus mit Fahne, den zwei Engel begleiten. Im Vordergrund kniet die erste Auferstehungszeugin Maria Magdalena (nach Joh 20, 11-18). Die beiden äußeren Flügel sind den Kirchenvätern gewidmet. Links werden der St. Hieronymus als Übersetzer der Bibel und St. Augustinus dargestellt. Sein Symbol, das brennende Herz wird unten durch die Figur eines Kindes ergänzt, wohl als Hinweis auf die Legende, dass ein Kind dem großen Theologen die Vergeblichkeit seines Nachdenkens über die Dreifaltigkeit aufgezeigt haben soll. Auf der rechten Seite sind Papst Gregor (mit Papstkrone, Schreibfeder und Notenbuch als Hinweis auf den „Gregorianischen Choral“) sowie der Mailänder Bischof Ambrosius dargestellt. Ihre Namen sind auf dem unteren Rahmen festgehalten. In den Bogen über dem zentralen Altarkreuz ist das „Agnus Dei“, das Gotteslamm, mit den sieben Siegeln (vgl. Offb 5,5) gemalt. Diese Darstellung korrespondiert mit der Malerei auf dem Chorbogen, die wohl bei der Renovierung von 1959 entstand. Ein Pelikan als Symbol des Kreuzestodes Christi stellt die Bekrönung des Altares dar und bildet mit den beiden unteren „Stufen“ dem Tabernakel und dem Altarkreuz eine theologische Einheit.
Der linke Seitenaltar ist ein traditioneller Marienaltar. Er zeigt in der Mitte Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß, das den knieenden Ordensstifter Dominikus segnet. Die Flügel zeigen links die Hl. Anna, die Mutter Marias und rechts die Hl. Elisabeth und das sog. „Rosenwunder“. Der Josefsaltar auf der rechten Seite präsentiert in traditioneller Weise die „Heilige Familie“ mit dem fleißigen Josef als Zimmermann. Die begleitenden Heiligen sind links der Hl. Aloysius und rechts Johannes der Täufer (Inschrift: Johannes Baptist). Nennenswert ist auch der Kreuzweg, der bei der Renovierung 1959 seine neugotische Holz-Umrahmung verlor und nun direkt auf der Wand sitzt, hervorgehoben durch einen gemalten Rahmen. Die Heilige Agatha, die Patronin der Kirche, ist auf der rechten Seite des Kirchenschiffes als barocke Figur auf einer Konsole zu finden. Diese Figur wurde 1961 mit den Figuren von St. Lucia, Maria bzw. Josef mit dem Jesuskind aus Naurath in die Büdlicher Kirche zurückgebracht.
Der künstlerisch und historisch wichtigste Bestandteil der Innenausstattung ist die steinerne Kanzel. Sie wurde 1617 von dem Trierer Bildhauer Heinrich Hoffmann geschaffen. Dieser ist der Sohn des berühmten Ruprecht Hoffmann, der im Trierer Dom bedeutsame Werke hinterlassen hat. Am bekanntesten ist jedoch der Petrusbrunnen auf dem Trierer Hauptmarkt. Die sechseckige Kanzel in Büdlich befindet sich an der vordersten Säule links. Die Frontseite zeigt ein Kreuzigungsrelief mit Maria und Johannes. Auffallend ist der große, weit geschweifte Lendenschurz unter dem sich eine Stadtansicht mit Bürgerhäusern und Kuppelbauten als Hintergrund befindet. Farbreste zeigen, dass die Kanzel ursprünglich bunt bemalt war. Die Übersetzung der lateinischen Inschrift lautet: „O ihr alle, die ihr vorübergeht, gebt Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich ist meinem Schmerz!“ (Klgl 1,12) Im Gegensatz dazu sind die übrigen vier Kanzelseiten mit Bibelversen in Deutsch versehen, z. B. Die Mahnung an den Prediger aus dem 2. Timotheusbrief: „PREDIGE DAS WORT HALT AHN ES SEIE MIT GELEGENHEIT ODER UHN GELEGENHEIT STRAFF ERMANE BIT UND SCHELT IN ALLER GEDULT UND LEHR: 2 TIM 4“. In der Einheitsübersetzung lautet diese Stelle: „Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung!“
Die zweimanualige Orgel wurde als erstes Werk der Trierer Firma Sebald & Brandt 1936 erstellt und 1959 erweitert. 2013 hat sie der Orgelbauer Thomas Gaida aus Wemmetsweiler generalüberholt.
Text und Recherche: Elmar P. Ittenbach